Wann zählt Kunst zum steuerbaren Vermögen?

Wann zählt Kunst zum steuerbaren Vermögen?

Hausrat, persönliche Gebrauchsgegenstände und übrigen Vermögenswerte – was zählt zum steuerbaren Vermögen?

In der Steuererklärung ist das gesamte Vermögen vollständig zu deklariert. Da stellt sich für den Steuerpflichtigen die Frage, wo die Grenze zwischen Hausrat und steuerbarem Vermögen verläuft. Denn der Hausrat und persönliche Gegenstände sind zwar Vermögen, werden aber nicht besteuert. Dazu gehört, was zu Wohnzwecken dient, sich im Haus befindet und als übliche Einrichtung einer Wohnung gilt. Was ist aber mit Gemälden, antiken Möbeln oder anderen Sammlungen, die in der Wohnung präsentiert und aktiv genutzt werden?
Sofern der Kapitalanlagecharakter im Vordergrund steht, wird das Objekt nicht mehr dem steuerfreien Hausrat zugerechnet. Will heissen, ein zu Hause aufgehängtes Bild gilt als steuerfrei, hingegen ein im Tresor verwahrtes Gemälde ist tendenziell steuerbar.

Hierzu gibt es vom Zürcher Verwaltungsgericht ein Urteil mit folgendem Sachverhalt

Frau A erbte 1984 von ihrem Vater ein Bild (keine Sammlung) vom Maler Giovanni Giacometti. Das Bild hing in der Küche von Frau A. Sie deklarierte dieses Bild nicht in den Steuererklärungen als Vermögenswert, da sie es dem steuerfreien Hausrat zuordnete. Frau A verkaufte 2008 dieses Bild über eine Auktion für CHF 2 Mio. Die Steuerverwaltung Zürich erhob Nachsteuern plus Zinsen, weil Frau A das Bild nicht als Vermögenswert in den Steuererklärungen deklariert hatte.

Die Begründung des Verwaltungsgerichts lautete

Überschreitet der Verkehrswert des Objekts eine «gewisse Höhe», dann gehört es ungeachtet der konkreten Nutzung und der finanziellen Verhältnisse nicht zur üblichen Einrichtung, sondern zum steuerbaren Vermögen. Zudem war das Bild vorübergehend für CHF 150’000 in einer Kunstversicherung versichert gewesen. Bereits der Versicherungswert übersteigt «das allgemein Übliche». Kunstgegenstände, wie dieses Bild, eignen sich gut als Kapitalanlage. Keine Rolle spielt, dass Frau A das Bild in der eigenen Küche aufgehängt hatte.

Kritikpunkte am Urteil

Es wurde nicht berücksichtigt, dass das Bild durch Erbgang erworben wurde, das heisst ohne Kapitalanlageabsicht. Die persönlichen Verhältnisse von Frau A wurden ausser Acht gelassen. Zudem ist der schwammige Begriff «gewissen Höhe» beim Verkehrswert nicht praktikabel.

Gewonnene Erkenntnis für die Zürcher Steuerpraxis

Eine Wertsteigerung während der Besitzdauer kann anscheinend einen Wechsel vom steuerfreien Hausrat zum steuerbaren Vermögen auslösen. Zudem wird sich die Bewertung eines Kunstgegenstandes immer als schwierig herausstellen und für Laien nicht machbar sein.

Welcher Wert soll nun in der Steuererklärung deklariert werden?

Steuerbar ist immer der «Verkehrswert» (Info SSK 2012). In der Literatur wird die Ansicht vertreten, dass es sich beim steuerlichen Verkehrswert um einen Wert/Preis handeln muss, der ohne grossen Aufwand bei einem Verkauf an den Kunsthandel erzielt werden kann.

Sind Kunstobjekte namenloser Künstler vorhanden empfiehlt es sich, CHF 1 pro Memoria zu deklarieren. Stellt sicher aber heraus, dass wertvolle Objekte vorhanden sind, so empfiehlt es sich «einen» Wert einzusetzen, damit Nach- und Strafsteuerverfahren ausgeschlossen werden können.

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