Bilanzierung von Finanzanlagen

Wie man Finanzanlagen richtig bilanziert und bewertet. Ein Überblick.

Weil es für die Bilanzierung von Finanzanlagen keine eigene Fachempfehlung gibt, sind die Vorschriften über mehrere Empfehlungen verteilt. Wir haben diese in unserem Artikel zusammengeführt.

Grundsätzlich unterschiedet Swiss GAAP FER zwischen Wertschriften (im Umlaufvermögen) und Finanzanlagen (im Anlagevermögen). Ausschlaggebend ist die Haltedauer.

Unterscheidungsmerkmal Haltedauer

Vermögenswerte, bei denen man von einer Veräusserung in den nächsten 12 Monaten ausgeht, oder die für Handelszwecke gehalten werden, sind dem Wertschriften im Umlaufvermögen zuzuordnen.

Dagegen sind Vermögenswerte, die voraussichtlich länger als 12 Monate gehalten werden, im Anlagevermögen auszuweisen. Zu den Finanzanlagen gehören unterschiedliche Vermögenswerte, wie Wertschriften, Beteiligungen und Darlehen.

Wann sind es Wertschriften? Wann Beteiligungen?

Beteiligungen an Unternehmen werden bis zu einer Grenze von 20% (Stimmrechte und/oder Kapitalanteile) als Wertschriften behandelt. Erst beim Überschreiten dieser Grenze sind sie als Beteiligungen zu bilanzieren. 

Differenzierte Betrachtung bei der Bewertung

Bei der Bewertung gelten je nach Ausweis andere Regeln. Werden Wertschriften im Umlaufvermögen bilanziert, so sind diese zu aktuellen Werten zu bilanzieren. D.h. zum Marktkurs am Bilanzstichtag. Liegt kein aktueller Wert vor, so ist der Anschaffungswert abzüglich allfälliger Wertbeeinträchtigungen heranzuziehen.

Bei der Bilanzierung im Anlagevermögen besteht ein Bewertungswahlrecht: Hier dürfen die Wertschriften entweder zu aktuellen Werten oder zu Anschaffungskosten abzüglich Wertkorrekturen bilanziert werden.

Langfristig gewährte Darlehen hingegen müssen immer zu Anschaffungskosten abzüglich allfälliger Wertberichtigungen bilanziert werden.

Konsequenzen der Bewertung zu aktuellen Werten

Werden Wertschriften im Umlauf- oder Anlagevermögen gehalten und zu aktuellen Werten bewertet, darf für einzelne Wertschriften davon abgewichen werden, sofern keine Marktkurse vorhanden sind. Zu beachten ist jedoch, dass bei einer Bewertung zu aktuellen Werten die Wertveränderungen im Periodenergebnis erfasst werden müssen. Dasselbe gilt auch für Wertbeeinträchtigungen von Beteiligungen über 20%, welche als Anlagevermögen bilanziert werden.

Wann sind Wertbeeinträchtigungen in der Buchhaltung zu erfassen?

Grundsätzlich ist auf jeden Bilanzstichtag hin zu prüfen, ob Anzeichen einer Wertbeeinträchtigung vorliegen. Liegen solche Anzeichen vor, ist eine so genannter «Impairment-Test» durchzuführen. Dabei wird der erzielbare Wert des Vermögenswertes mit dem Buchwert verglichen. Dabei werden Netto-Marktwert (für Wertschriften) und Nutzwert (für Darlehen) betrachtet. Als erzielbar gilt der höhere der beiden Wert. Übersteigt dieser den Buchwert, so liegt keine Wertbeeinträchtigung vor. Wichtig: Ein Impairment-Test ist nur für Finanzanlagen notwendig, die zu Anschaffungswerten bilanziert sind. Bei Bilanzierung zu Marktwerten wird den Wertveränderungen laufend Rechnung getragen.

Ergibt die Überprüfung auf den Bilanzstichtag, dass eine Wertberichtigung notwendig ist, so ist diese am entsprechenden Stichtag vorzunehmen und ertragswirksam zu erfassen.

Offenlegung ist immer sinnvoll!

Eine ausführliche und transparente Offenlegung der Bilanzierungsmethoden hat eine hohe Bedeutung. Besonders dann, wenn Wahlrechte für die Bewertung bestehen und spezielle Sachverhalte vorliegen, wie z.B. Beteiligungen, die unter dem Anschaffungswert ausgewiesen werden müssen.

Falls Sie Fragen zur Bilanzierung oder Bewertung von Wertschriften oder Beteiligungen haben, gibt unser Experte Fabio Iovoli gerne Auskunft.