Unternehmenssteuerreform (STAF): Das ändert sich

Unternehmenssteuerreform (STAF): Das ändert sich

Die Schweizer Stimmberechtigten haben am 19. Mai 2019 das Bundesgesetz über die Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) deutlich angenommen. Die Schweiz hat nun ein international anerkanntes Steuersystem, welches gleichzeitig die steuerliche Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz sichert. 

Das international anerkannte Steuersystem verändert die Unternehmensbesteuerung in der Schweiz massiv. Unsere kurzen Hinweise zeigen, welche steuerlichen Änderungen per 1. Januar 2020 auf Unternehmen zukommen werden:

Gewinnsteuer

Für Holdings, gemischte Gesellschaften und Domizilgesellschaften wird sich per Anfang 2020 einiges ändern, denn die besonderen Steuerstati auf kantonaler Ebene werden abgeschafft. Die entsprechenden Gesellschaften können Gewinne, welche im Ausland erwirtschaftet wurden, künftig deshalb nicht mehr reduziert versteuern. Auch auf Bundeseben werden die bestehenden Praxisregelungen betreffend Prinzipalgesellschaften und Swiss Finance Branches aufgehoben. Sämtliche CH-Unternehmen, ob international oder rein inländisch tätig, werden ab Anfang 2020 grundsätzlich nach dem gleichen System besteuert.

Damit die internationalen Holdings weiterhin vom Steuerstandort Schweiz profitieren können, werden die Gewinnsteuern in vielen Kantonen durch eine Anschlussgesetzgebung nach unten angepasst, wovon auch rein inländische Unternehmen profitieren. Einige Kantone haben darüber bereits abgestimmt, andere haben das noch vor sich. Durch zusätzliche Mittel aus der direkten Bundessteuer können die Kantone steuerliche Ausfälle ausgleichen.

Luzern wird wohl beim aktuellen Gewinnsteuersatz von 12.3% bleiben. Die Kantone Zug und Nidwalden planen eine Senkung der Steuersätze und würden Luzern dann in Standortwettbewerb überholen. Der angestrebte Steuersatz per 2020 von Zug ist 12.1% (heute 14.5%) und von Nidwalden (Stans) 11.97% (heute 12.7%). Der Steuersatz der Gemeinde Freienbach (SZ) wird mit 11.93% am tiefsten sein – dies, obwohl derjenige des Kantons Schwyz bei 14.3% liegen wird.

 

Weiter sind insbesondere auch folgende Instrumente bzw. Regeln für die Unternehmensbesteuerung von wesentlicher Bedeutung:

Patentbox

Die Patentbox wird bereits heute von vielen europäischen Staaten angewendet und ist mit dem OECD-Standards kompatibel. Für die Kantone ist die Patentbox durch die Steuerreform obligatorisch. Der Gewinn aus Patenten und Rechten wird auf kantonaler Ebene bis um maximal 90% reduziert besteuert. Bei Eintritt in die Patentbox müssen F&E Aufwendungen der letzten 10 Jahre ordentlich versteuert werden.

Abzugsmöglichkeiten für Forschung und Entwicklung

Kantone können für in der Schweiz durchgeführte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) zusätzliche Abzüge einführen. Der Abzug darf max. 50% des geschäftsmässigen F&E Aufwands betragen und kann sich nur auf F&E Personalaufwendungen beschränken. Alle anderen F&E Kosten werden mit einem Uplift von 35% pauschal abgegolten. Der Abzug kann nicht vom F&E-Auftragnehmer und Auftraggeber gleichzeitig geltend gemacht werden.

Kapitalsteuerermässigung

Gewinnsteuern juristischer Personen werden schon jetzt von den Kantonen an die Kapitalsteuer angerechnet. Neu können Kantone die Kapitalsteuer auf den Umfang der Beteiligungen, Patente und immaterielle Vermögenswerte sowie konzerninterne Darlehen reduzieren.

Dividendenbesteuerung

Beteiligungen natürlicher Personen von mindestens 10% werden in der Steuerbemessungsgrundlage nur reduziert erfasst. Die Teilbesteuerung beim Aktionär beträgt auf Kantonsebene mindestens 50%, auf Bundesebene neu mindestens 70%.

► Um zu verhindern, dass Ihre Steuerbelastung neu steigt, empfehlen wir, bis Ende 2019 die Dividendenbezüge zu optimieren. Wir beraten Sie gerne.

Eigenfinanzierungsabzug (betrifft voraussichtlich nur den Kanton Zürich)

Kantone, bei welchen die effektive Gewinnsteuerbelastung des Kantonshauptorts mindestens 18.03% beträgt, können fakultativ einen Zinsabzug auf das Eigenkapital einführen. Das wird voraussichtlich einzig den Kanton Zürich betreffen.

Übergangsregelung

Für eine sanfte Übergangsregelung wird parallel zur Abschaffung der besonderen Steuerstati auf Kantonsebene das obligatorische Zweisatzmodell eingeführt. Stille Reserven (inkl. Goodwill) aus dem besonderen Steuerstatus unterliegen nach Aufgabe des Status während fünf Jahren einer gesonderten tieferen Besteuerung. Alternativ können in vielen Kantonen bereits nach aktueller Praxis die stillen Reserven freiwillig aufgedeckt und über fünf bis zehn Jahre steuerneutral abgeschrieben werden (altrechtlicher Step-up).

Entlastungsbegrenzung

Für alle STAF-Massnahmen zusammen müssen die Kantone eine Begrenzung für die Entlastung festlegen. Der maximal zulässige Prozentsatz darf 70% nicht übersteigen. Abschreibungen aus dem altrechtlichen Step-up fallen auch in diese Entlastungsbegrenzung. Das heisst, mindestens 30% des Gewinnes müssen in jedem Fall ordentlich besteuert werden.

 

Die Vielzahl von Änderungen bietet auch Chancen und Handlungsspielraum. Insbesondere für schweizerische KMU! Haben Sie Fragen zu den Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform auf Ihre Unternehmensbesteuerung? Dann freut sich unser Steuerexperte Christian Lingg auf Ihre Kontaktaufnahme.