Jahresabschluss: Anlagevermögen – einfach erklärt!

Im Blog-Dossier zum Thema Jahresabschluss zeigen wir Ihnen in mehreren Blog-Artikeln auf, wie Sie möglichst rasch und effizient einen Jahresabschluss erstellen. In diesem Beitrag geht es um das Anlagevermögen.

Das Anlagevermögen ist deshalb wichtig, weil es die Vermögensgegenstände enthält, die dem dauernden Gebrauch der Unternehmung dienen und die über einen längeren Zeitraum im Unternehmen verbleiben. Sie stellen die Arbeits- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicher.   

Die Positionen des Anlagevermögens stellen meist einen hohen Wert dar und haben eine Lebensdauer von mehreren Jahren. Für den Jahresabschluss bedeutet das, dass die Anlagegüter jedes Jahr per Bilanzstichtag neu bewertet werden müssen.
Es gibt drei häufig angetroffene Positionen des Anlagevermögens.

Finanzanlagen

Finanzanlagen umfassen alle Forderungen, die nicht direkt mit der Leistungserstellung des Unternehmens zusammenhängen. Dies können zum Beispiel langfristig gehaltene Wertschriften, Beteiligungen oder langfristige Aktivdarlehen sein.
Finanzanlagen unterliegen zwar auch häufig und oft grossen Wertschwankungen. Weil Sie aber keine Nutzungsdauer kennen und nicht regelmässig an Wert verlieren, werden hier die Wertverminderungen nur über ausserplanmässige Abschreibungen erfasst, die je nach Situation per Bilanzstichtag vorgenommen werden müssen.

Sachanlagen

Sachanlagen wie z.B. Betriebsliegenschaften, Produktionsanlagen, EDV, Mobiliar, Maschinen, Fahrzeuge etc. verbleiben im Normalfall langfristig im Unternehmen. Als langfristig definiert Art. 960d Abs. 2 OR einen Zeitraum «von mehr als zwölf Monaten». Das Anlagevermögen wird für die Erbringung von Dienstleistungen, die Produktion von Gütern sowie für Verwaltungszwecke genutzt. Sachanlagen können erworben oder selbst hergestellt sein. Die Wertverminderung der Anlagegüter über ihre Nutzungsdauer muss in der Form von planmässigen Abschreibungen erfolgen.

Immaterielle Anlagen

Wie die Bezeichnung andeutet sind diese Anlagegegenstände physisch nicht greifbar. Es handelt sich beispielsweise um Markenrechte, Patente, Lizenzen oder Software, Entwicklungskosten oder Verlagsrechte. Ein Sonderfall in dieser Kategorie ist ein allfälliger Goodwill, der beim Kauf eines Unternehmens erworben wurde.

Auch bei den immateriellen Anlagegütern soll die Wertverminderung mittels Abschreibungen erfolgen. Gemäss Swiss GAAP FER 10 sollen die Abschreibungen entweder über die Nutzungsdauer erfolgen oder, falls diese nicht bestimmbar ist, über einen Zeitraum von 5 bis höchstens 20 Jahren.

Bestimmung der Höhe der Abschreibungen

Um die Wertverminderung des Anlagevermögens darzustellen, werden jährlich Abschreibungen vorgenommen. Diese orientieren sich zum Beispiel an steuerlichen Vorgaben oder an der Lebensdauer des Anlagegutes.

Orientiert man sich an steuerlichen Kriterien gibt es von der Steuerverwaltung zugelassene Maximalsätze für verschiedenen Anlagegüterkategorien. Diese werden sowohl für die degressive als auch für die lineare Abschreibungsmethode vorgegeben.

Orientiert man sich an der Lebensdauer der Anlagegüter, müssen diese für das Unternehmen spezifisch vorgegeben werden. Diese Vorgaben werden in den meisten Fällen anhand von Erfahrungszahlen oder anderen Kriterien gewählt. So wird für Computer und IT Geräte meist von einer Lebensdauer von 3-4 Jahren ausgegangen, während es bei Fahrzeugen jeweils 5 oder mehr Jahre sind. Bei LKW, grossen Baumaschinen oder ganzen Fabrikanlagen können es auch durchaus auch 8 bis 15 Jahre oder mehr sein. Bei Gebäuden liegen die Lebensdauern je nach Zweck und Beanspruchung bei 30 bis 50 Jahren.

Es gibt durchaus Anlagegüter, die keiner Abnutzung unterliegen. Dazu gehören zum Beispiel Grundstücke (Boden), Wertschriften, Beteiligungen, Darlehen etc. Diese Anlagegüter müssen bei Wertveränderungen (Umzonung, Börsencrash etc.) mit ausserplanmässigen Abschreibungen im Wert berichtigt werden.

Abschreibungsmethoden

Grundsätzlich gibt es zwei Abschreibungsmethoden.

1. Lineare Abschreibung

Bei Anwendung der linearen Methode, wird das Anlagegut in genau identischen Tranchen pro Jahr über seine Lebensdauer (Nutzungsdauer) im Wert reduziert, bis es zum Ende seiner Lebensdauer auf Null Franken (respektive CHF 1 pro memoria, falls es über die Lebensdauer hinaus verwendet wird) abgeschrieben ist.
Beispiel Fahrzeug: Kaufpreis CHF 50'000; Lebensdauer: 5 Jahre. Abschreibung: linear 20 %. Die Abschreibungen betragen von Jahr 1 bis Jahr 5 gleichmässig CHF 10'000 pro Jahr.

2. Degressive Abschreibung

Bei der degressiven Abschreibungsmethode wird im 1. Jahr vom Kaufpreis und ab dem zweiten Jahr vom verbleibenden Restwert abgeschrieben. Bei dieser Methode erfolgt – tendenziell eher dem Entwertungsverlauf entsprechend – im ersten Jahr eine relativ hohe Abschreibung, welche mit jedem Jahr abnimmt und schliesslich gegen Null strebt.
Beispiel Fahrzeug: Kaufpreis CHF 50'000; Lebensdauer: 5 Jahre. Abschreibung: degressiv 40%. Die Abschreibungen betragen in diesem Fall im Jahr 1: CHF 20'000;
im Jahr 2: CHF 12'000 im Jahr 3: CHF 7'200 usw.
Die degressive Abschreibung führt rechnerisch nie zum Restwert Null. Aus diesem Grund schreibt man im letzten Jahr den gesamten Restwert ab.
Eine Gegenüberstellung der linearen und degressiven Abschreibungsmethode zeigt die folgende Tabelle:
 

Investition

  50'000.00

   

Lebensdauer:

5 Jahre

   

Methode

linear

degressiv

Restwert

Restwert

 

20%

40%

linear

degressiv

     

Abschreibung Jahr 1

  10'000.00

  20'000.00

  40'000.00

  30'000.00

Abschreibung Jahr 2

  10'000.00

  12'000.00

  30'000.00

  18'000.00

Abschreibung Jahr 3

  10'000.00

    7'200.00

  20'000.00

  10'800.00

Abschreibung Jahr 4

  10'000.00

    4'320.00

  10'000.00

    6'480.00

Abschreibung Jahr 5

  10'000.00

    2'592.00

            -  

    3'888.00

Tendenziell werden bei der degressiven Abschreibung – über die Lebensdauer betrachtet – zu Beginn der Lebensdauer stille Reserven gebildet, die dann nach und nach aufgelöst werden.

3. Sonderform Einmalabschreibung

In verschiedenen Kantonen ist es zulässig, Anlagegüter gleich im Jahr der Beschaffung vollständig abzuschreiben, wenn die Ertragslage des Unternehmens dies zulässt. In diesem Fall werden zu Beginn im vollen Umfang stille Reserven gebildet, die dann über die Lebensdauer des Anlagegutes in jährlichen Tranchen aufgelöst werden.

Darstellung der Wertverminderung

Die Wertverminderung kann direkt oder indirekt dargestellt werden. Bei der direkten Methode werden die Abschreibungen als Reduktion des Anlagegutes auf dem Anlagekonto in der Buchhaltung erfasst. Der Schlussbestand des Aktivkontos zeigt den Rest- bzw. Buchwert.

Vorteil: Schlanker Kontoplan

Nachteil: Der Anschaffungswert der Anlagegüter ist nicht direkt aus der Buchhaltung ersichtlich

Bei der indirekten Methode dagegen wird zu jedem Anlagekonto ein Wertberichtigungskonto in der Bilanz eröffnet (ein sogenanntes Minusaktivkonto). Die Abschreibungen werden gegen dieses Wertberichtigungskonto gebucht.

Vorteil: Der Anschaffungswert, die kumulierten Abschreibungen und der Buchwert sind jederzeit direkt aus der Buchhaltung ersichtlich.

Nachteil: Allfällige Anlageabgänge müssen sauber in der Buchhaltung erfasst werden, indem die bis zum Abgangszeitpunkt verbuchten, kumulierten Abschreibungen des entsprechenden Anlageguts gegen den Anschaffungswert gebucht werden. Ein allfälliger Buchgewinn bzw. Verlust ist vom Anlagekonto in die Erfolgsrechnung zu buchen.

Diese Methode ist zwar aufwändiger, gewährleistet jedoch in kleinen Verhältnissen einen wesentlich besseren Überblick.

Exkurs: Anlagenbuchhaltung

Bei anlageintensiven Unternehmen, die grosse Mengen an Anlagegütern wie z.B. einen grossen Fahrzeug- und Maschinenpark oder vielen voll ausgerüsteten Arbeitsplätzen haben, macht eine Anlagebuchhaltung Sinn. In diesen Fällen wird in der Anlagenbuchhaltung pro Anlagegut ein eigenes Konto eröffnet. Beim Kauf eines  Anlagegutes wird dieses auf das entsprechende Konto eingebucht und anschliessend automatisch per Jahres-, Halbjahres-, Quartals- oder Monatsende mit dem ausgewählten Abschreibungssatz und der ausgewählten Abschreibungsmethode im Wert reduziert. Sowohl die Wertreduktionen als auch die Abschreibung werden im Normalfall jeweils automatisch in die Finanzbuchhaltung übertragen.

Wenn Sie konkrete Fragen zur Erfassung oder Bewertung von Positionen des Anlagevermögens haben, freut sich unsere Expertin Tatjana Späni Ihnen kompetent weiterzuhelfen.