Bye bye LIBOR – Grüezi SARON!

Bye bye LIBOR – Grüezi SARON!

Einer der wichtigsten Zinssätze der Welt, die "London Interbank Offered Rate", kurz LIBOR, verabschiedet sich spätestens per Ende 2021 vom Markt. Ersetzt wird dieser in der Schweiz durch den SARON.

Bis jetzt diente den Banken der LIBOR vor allem für die Festlegung von Zinsen von Krediten und den gleichnamigen Hypotheken. Er wird durch die britische Finanzmarktaufsicht aber nur noch bis Ende 2021 unterstützt. Das bedeutet, dass Alternativen benötigt werden. In der Schweiz ist das die "Swiss Average Rate Overnight", kurz SARON. Dieser Referenzzinssatz beruht auf tatsächlichen Transaktionen und Preisstellungen am Schweizer Geldmarkt.

Wieso kommt es zum Wechsel?

Bis jetzt leihen sich Banken untereinander Geld zum LIBOR-Satz. Dieser basiert jedoch nicht auf tatsächlichen Transaktionen, sondern auf Abmachungen zwischen elf bis 16 Londoner Banken. Diese legen den Zinssatz dann für verschiedenen Währungen (CHF, EUR, GBP, JPY und USD) und Zeiträume fest. Das macht den LIBOR manipulationsanfällig, denn die Zinsen basieren meist nur auf Abschätzungen der beteiligten Banken. 2011 wurde festgestellt, dass der LIBOR durch unerlaubte Absprachen zwischen einigen der Banken offensichtlich jahrelang zu deren Gunsten manipuliert wurde. Die Aufdeckung der Manipulationen von möglicherweise bis zu 20 Grossbanken führte zum LIBOR-Skandal. Dadurch verlor der Leitzinssatz seine Reputation und seine Legitimität. Die britische Finanzaufsichtsbehörde hat deshalb entschieden, sein Weiterbestehen noch bis Ende 2021 durchzusetzen.

Wie wird der SARON berechnet?

Die nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze hat empfholen, den LIBOR durch den SARON abzulösen. Der SARON wird seit 2009 von der Schweizer Börsenbetreiberin SIX Swiss Exchange berechnet und publiziert. Der Durchschnittszinssatz wird täglich anhand von rund 110 abgeschlossenen Transaktionen und handelbaren Preisen (Quotes) von mehr als 160 Banken (inklusive der Schweizer Nationalbank) und Versicherungen am Schweizer Geldmarkt ermittelt.

Auf der Website von SIX finden Sie den täglichen Saron-Satz.

Was sind die Vorteile des SARON?

Der SARON wird täglich anhand von getätigten Transaktionen und Quotes ermittelt. Damit  ist er transparenter, fairer und lässt sich – im Gegensatz zum LIBOR – kaum manipulieren.

Was sind die Nachteile des SARON?

Der SARON ist ein Übernachtzins, das heisst, er wird jeweils nur für einen Tag bestimmt. Für Geldmakthypotheken sind längerfristige Kontrakte notwendig. Der Libor, im Gegenzug, umfasst Zinsbindungen für drei, sechs oder zwölf Monate. Trotzdem haben sich die beiden Sätze in den vergangenen Jahren auf gleichem Niveau bewegt und sind jeweils nur ein bis zwei Basispunkte voneineander abgewichen. Zudem hat die Arbeitsgruppe der Schweizerischen Nationalbank hat eine Lösung für einen langfristigen SARON ausgearbeitet. Sieben verschiedene Varianten stehen den Finanzinstituten zur Verfügung. Diese können selbst wählen, welche Variante sie anwenden. Bei sechs der Varianten wird der Compounded SARON berechnet.

Wie wird der Compounded SARON berechnet?

Der Compounded SARON ist ein aufgezinster SARON, welcher aus einer Folge des eintägigen SARON berechnet wird. Je nach Variante wird eine unterschiedliche Anzahl eintägige SARON in die Berechnung einbezogen. Zudem findet die Bekanntgabe des Zinses / der Zinsfälligkeit je nach Version zu verschiedenen Zeiten statt.

Was ändert sich für Ihr Unternehmen?

Mit dem Wechsel zum SARON wird dieser auf dem Schweizer Geldmarkt zum Referenzzins für Finanzierungen. Das heisst, dass per Januar 2022 die Zinsbindung von der Kapitalbindung entkoppelt wird. Die Kapitalbindung bleibt weiterhin bestehen, es entfällt aber die Zinsbindung. Der Zinssatz kann erst am Ende der Zinsperiode berechnet werden und wird auch erst dann bekanntgegeben. Das Zinsänderungsrisiko besteht beim SARON täglich und nicht wie beim LIBOR periodisch.

Als Folge des Wechsels müssen LIBOR-Finanzierungen, welche über das Jahr 2021 hinauslaufen, bis spätestens Ende 2021 in ein alternatives Produkt überführt werden.

Was ändert sich für Immoblienbesitzer

Auch im Hypothekarmarkt wird voraussichtlich die SARON-Hypothek bis spätestens Ende 2021 die LIBOR Hypothek ablösen. Bereits heute bieten viele Banken entsprechende Hypotheken an. Die Entwicklung des SARON und des LIBOR ist sehr ähnlich.Der SARON weist, weil er am besicherten Geldmarkt operiert, eine risikoneutralere Zinskurve auf und weniger starke Ausschläge auf. Dies wohl dank seiner viel breiter abgestützten Berechnungsmethode. Zudem wird der SARON alle 10 Minuten veröffentlich, während der LIBOR nur einmal täglich festgelegt wurde.

Somit ändert sich für den Immobilienbesitzer kaum etwas. Nach wie vor muss er beim SARON das Risiko von Zinsschwankungen und Zinssatzentwicklungen abschätzen um zu überlegen, ob eine langfristig fixierte Festhypothek sicherer ist als eine SARON-Hypothek, deren Zinssatz den Marktschwankungen unterliegt.

 

Haben Sie Fragen zu den Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Dann nehmen Sie mit uns Nicola Edelmann n.edelmann@caminada.com  Kontakt auf, er hilft Ihnen gerne weiter.

 

Auf der Website von SIX finden Sie weitere Informationen zum Saron.

Das Bild ist von Nattanan Kanchanaprat auf Pixabay