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Experten-Interview zur Altersvorsorge

In unserem heutigen Beitrag gibt der BVG-Experte Roger Rogenmoser, Qualibroker AG, wichtige Antworten zur Pflicht der beruflichen Vorsorge, den Einkauf in die Pensionskasse, Vorbezug oder die Pensionierung.

 

Wer muss sich einer Pensionskasse anschliessen, sprich: wann ist jemand in der Schweiz pensionskassenpflichtig? Und wie sieht es mit ausländischen Mitarbeitenden aus?

Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem AHV-pflichtigen Jahreslohn von CHF 21‘150 oder mehr müssen von ihrem Arbeitgeber in der beruflichen Vorsorge, im BVG, versichert werden. Das gilt für Inländer wie für Ausländer. Die Finanzierung der beruflichen Vorsorge ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer steuerfrei. Dies gilt für ordentlich besteuerte, aber auch für quellenbesteuerte Personen. Der Leistungsbezug muss dann aber besteuert werden. Renten sind als Einkommen zu besteuern. Auf Kapitalbezügen wird eine Kapitalbezugssteuer erhoben. Falls keine ordentliche Besteuerung möglich ist, erfolgt eine Besteuerung an der Quelle. Beispielsweise, wenn die Person im Zeitpunkt des Leistungsbezuges bereits im Ausland wohnt.

 

Wann ist eine Kadervorsorge, evtl. sogar individualisiert, sinnvoll?

Das BVG ist ein Rahmengesetz. Einerseits wird das Minimum definiert, für welches ein Arbeitgeber seine Mitarbeitenden in der beruflichen Vorsorge versichern muss. So besteht die obligatorische Vorsorge nur bis zu einem Jahreslohn von zur Zeit CHF 84‘600 und der minimale Sparbeitrag beträgt je nach Alter zwischen 7 und 18% des versicherten Lohnes. Andererseits werden im BVG aber auch Obergrenzen genannt, so wird definiert, was maximal unter dem Titel „Berufliche Vorsorge“ versichert werden darf. Der maximal versicherbare AHV-Lohn beträgt CHF 846‘000 und der maximale Sparbeitrag 25% des AHV-Lohnes. Dazwischen besteht für Arbeitgeber ein grosser Freiraum für die Ausgestaltung einer Kadervorsorge. Je nach Bedürfnis können unterschiedliche Vorsorgepläne zur Auswahl gestellt werden. Für Löhne über CHF 126‘900 kann sogar eine Kadervorsorge mit individualisierten Anlagemöglichkeiten angeboten werden. Ein Vorteil einer gut ausgebauten Kadervorsorge ist natürlich, dass mit den höheren Sparbeiträgen Steuern gespart werden. Zum anderen ist eine gute Kadervorsorgelösung nicht selten ein wichtiges Element bei der Rekrutierung von Kaderleuten.

 

Was sind die Vor-/Nachteile eines Pensionskassen Einkaufs und welches sind die steuerlichen Auswirkungen?

Ein Einkauf von Versicherungsjahren ist freiwillig. Damit können die Altersleistungen verbessert und Vorsorgelücken geschlossen werden. Im Jahr des Einkaufs kann dieser vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Weil die Steuerersparnis voll im Grenzsteuerbereich wirkt, ist die Einsparung in der Regel beträchtlich. Es kann sich deshalb auch lohnen, einen Einkauf auf mehrere Jahre zu verteilen. Es sollte nur Geld für einen Einkauf verwendet werden, welches bis zur Pensionierung nicht benötigt wird. Denn dieses Geld ist dann bis zur Pensionierung in der Pensionskasse blockiert. Ein Einkauf macht ausserdem erst dann Sinn, wenn die Einzahlungen in die gebundene Vorsorge – Säule 3a – bereits ausgeschöpft sind. Denn im Gegensatz zur Einzahlung in die Säule 3a, besteht beim Einkauf eine steuerlich bedingte Sperrfrist von drei Jahren für einen Kapitalbezug.

 

Macht ein Vorbezug von Pensionskassen-Geldern für ein Wohnobjekt Sinn?

Für den Wohneigentums-Erwerb wird in den meisten Fällen verlangt, dass 20% Eigenmittel eingebracht werden. Dazu zählen Sparguthaben oder auch 3. Säule-Gelder. Der Bezug von Altersguthaben aus der Pensionskasse ist eine beliebte Form, den Eigenmittelanteil zu erhöhen. Aufgrund der verschärften Eigenkapitalvorschriften verlangen Banken heute für eine Wohneigentumsfinanzierung, dass 10% echte Eigenmittel vorhanden sein müssen, bevor auch 2. oder 3. Säule-Kapital angerechnet werden darf. Aus der Bezeichnung „Altersguthaben“ geht auch hervor, dass diese Gelder der individuellen Altersvorsorge dienen sollen. Diesen Aspekt darf man also nicht aus den Augen verlieren. Es ist sicher zu empfehlen, die Verwendung des Altersguthabens gut zu überdenken und im Zweifelsfalle mit einer Fachperson zu diskutieren. Oft kann es auch sinnvoll sein, anstatt das Geld aus der Pensionskasse vorzubeziehen, eine Verpfändung des Altersguthabens zu prüfen.

 

Kapital oder Rente - Welche Variante wähle ich bei der Pensionierung?

Im Vorsorgereglement ist ersichtlich, in welcher Höhe ein Kapitalbezug möglich ist. Bei vielen Pensionskassen ist es denn auch möglich, anstelle eines Teiles oder der ganzen Altersrente ein Alterskapital zu beziehen. Es gibt hier nicht „richtig“ oder „falsch“. Man soll die Argumente für einen Kapitalbezug und diejenigen für einen Rentenbezug für sich beantworten und bewerten.

Zwei Beispiele:

  • Für einen Rentenbezug spricht, wenn die Pensionskasse und die AHV-Rente das einzige Einkommen sind und dazu wenig Vermögen vorhanden ist.
  • Für einen Kapitalbezug spricht, wenn jemand flexibel über sein Geld verfügen will und keine Garantie benötigt, dass das Kapital bis ans Lebensende ausreicht.

Oft ist es ratsam, für diesen Prozess eine Fachperson beizuziehen. Ganz wichtig ist, dass die Entscheidung im Kopf und im Bauch stimmt.

 

Tücken der vorzeitigen Pensionierung: Auswirkungen auf die Leistungen der AHV und der Pensionskasse?

Eine vorzeitige Pensionierung will gut überlegt sein. Man muss sie sich leisten können. So sind die Altersleistungen bei einer vorzeitigen Pensionierung in der Regel markant tiefer als im Zeitpunkt der ordentlichen Pensionierung. Auf dem Vorsorgeausweis ist meist angegeben, wie hoch die Leistungen bei einer vorzeitigen Pensionierung sind. Einerseits fehlen die hohen Sparbeiträge für die Zeit der vorzeitigen Pensionierung. Andererseits müssen die Altersrenten um die Zeit der vorzeitigen Pensionierung länger ausbezahlt werden. Dadurch kommt ein tieferer Umwandlungssatz zur Anwendung.

  • Auch die AHV-Rente kann vorbezogen werden. Allerdings gibt es im Moment nur zwei Varianten: Vorbezug um 1 Jahr oder 2 Jahre (vgl. Merkblatt 1 der AHV).
  • Zu beachten ist auch, dass Vorpensionierte bei der AHV bis 64 (F) sprich 65 (M) als „Nichterwerbstätige“ beitragspflichtig sind (vgl. Merkplatt 2 der AHV).

 

* Roger Rogenmoser ist Betriebsökonom FH und arbeitet seit 2009 bei der Firma Qualibroker AG als BVG-Experte.

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